Programm

 

Da wir im Moment keine eigenen Veranstaltungen ankündigen können, wollen wir das Internet nutzen und ein paar Gedichte auf die Seite setzen als kleinen Beitrag zur Kultur. 

Überlass es der Zeit
Erscheint dir etwas unerhört,
Bist du tiefsten Herzens empört,

Bäume nicht auf, versuch’s nicht mit Streit,
Berühr es nicht, überlass es der Zeit.

Am ersten Tage wirst du feige dich schelten,
Am zweiten lässt du dein Schweigen schon gelten,

Am dritten hast du’s überwunden,
Alles ist wichtig nur auf Stunden,

Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
Zeit ist Balsam und Friedensstifter.
Theodor Fontane

 

April, April,
der weiß nicht, was er will!
Mal Regen und mal Sonnenschein,
dann hagelt’s wieder zwischendrein.                 
April, April,
der weiß nicht, was er will!

Nun seht, nun seht,
wie’s wieder stürmt und weht,
und jetzt, oh weh, oh weh!
da fällt schon wieder dicker Schnee!
April, April,
der weiß nicht, was er will!
Volksgut


April

Das ist die Drossel, die da schlägt,
Der Frühling, der mein Herz bewegt;
Ich fühle, die sich hold bezeigen,
Die Geister aus der Erde steigen.
Das Leben fließet wie ein Traum –
Mir ist wie Blume, Blatt und Baum.
Theodor Storm

 

Dû bist mîn, ich bin dîn.des solt dû gewis sîn.
dû bist beslozzen
in mînem herzen,
verlorn ist das sluzzelîn:
dû muost ouch immêr darinne sîn.


Neuhochdeutsche Übersetzung (nach Thomas Bein)

Du bist mein, ich bin dein.
Dessen sollst du gewiss sein.
Du bist eingeschlossen
in meinem Herzen,
verloren ist das Schlüsselchen:
Du musst auch für immer darin bleiben.

Dû bist mîn, ich bin dîn ist der erste von sechs zusammenhängenden Versen, die sich in der Tegernseer Briefsammlung (Codex latinus Monacencis 19411) fol. 114v am Ende eines Liebesbriefes finden. Sie wurden gegen Ende des 12. Jahrhunderts von einem anonymen Schriftsteller verfasst. Der Text gehört zu den bekanntesten Beispielen der deutschen Literatur des Mittelalters und gilt als ältestes mittelhochdeutsches Liebeslied. Es gilt gemeinhin als Gedicht, diese Auffassung ist in der Germanistik allerdings umstritten.

 

Langschläfers Morgenlied
Der Wecker surrt. Das alberne Geknatter
Reißt mir das schönste Stück des Traums entzwei.
Ein fleißig Radio übt schon sein Geschnatter.
Pitt äußert, daß es Zeit zum Aufstehn sei.

Mir ist vor Frühaufstehern immer bange.
… Das können keine wackern Männer sein:
Ein guter Mensch schläft meistens gern und lange.
– Ich bild mir diesbezüglich etwas ein …

Das mit der goldgeschmückten Morgenstunde
Hat sicher nur das Lesebuch erdacht.
Ich ruhe sanft. – Aus einem kühlen Grunde:
Ich hab mir niemals was aus Gold gemacht.

Der Wecker surrt. Pitt malt in düstern Sätzen
Der Faulheit Wirkung auf den Lebenslauf.
Durchs Fenster hört man schon die Autos hetzen.
– Ein warmes Bett ist nicht zu unterschätzen.
… Und dennoch steht man alle Morgen auf.

(aus: Das lyrische Stenogrammheft
von Mascha Kaleko)

Das Lied Songtext
Julia Engelmann  von Poesiealbum

Ich bin kein schicker Hipster,
hab mehr so Nerdprofil.
Bin voller Hirngespinster,
rede leise, denke viel.
Surf keine Retrowelle,
ich surf im Internet.
Such Lesebrillengestelle,
wälze Bücher auf dem Bett.

Und ab und zu da denk ich,
ich pass hier nirgens rein.
Und keiner scheint mir ähnlich,
keiner scheint mir nah zu sein.
Wieso fühl ich mich anders und was soll das denn heißen?
Weil wir doch alle anders und dadurch wieder gleich sind.

Es geht nicht darum wen,
sondern darum, dass du liebst.
Es geht nicht drum wie viel, sondern darum, dass du gibst.
Es geht nicht ums gewinnen, sondern darum, dass du kämpfst.
Es geht nicht um das Lied, sondern darum, dass du danced.

Und dann und dann und dann treff ich dich.
Du siehst mich und du hörst mir zu und du bist da für mich.
Du nimmst mir alle Schatten,
machst meine Sicht klar.
Machst mich wahrhaftig, nimmst mich wahr und machst mich sichtbar.

Ich mag es wie wir beide,
die Erde für uns drehn.
Wir sind zusammen alleine
und dadurch bist du für mich schön.
Und das wir nicht perfekt sind,
macht es nur noch perfekter.
Es ist schon komisch das ich,
das erst jetzt gecheckt hab.

Es geht nicht darum wen,
sondern darum, dass du liebst.
Es geht nicht drum wie viel, sondern darum, dass du gibst.
Es geht nicht ums gewinnen, sondern darum, dass du kämpfst.
Es geht nicht um das Lied, sondern darum, dass du danced.

Vielleicht geht´s nicht um das Was.
Sondern vielmehr um das Wie.
Vielleicht geht´s nicht um Physik,
sondern mehr um Phantasie.
Es geht nicht ums Happy End,
sondern nur um diesen Tag.
Es geht nicht drum wie laut, sondern darum was du sagst.
Es geht nicht um Besitz,
sondern drum was glücklich macht.
Es geht nicht um den Witz,
sondern darum, dass du lachst.

Es geht nicht darum wen,
sondern darum, dass du liebst.
Es geht nicht drum wie viel, sondern darum, dass du gibst.
Es geht nicht ums gewinnen, sondern darum, dass du kämpfst.
Es geht nicht um das Lied, sondern darum, dass du danced.